Und der Herr sprach...
... es werde laut und der Rock´n´Roll wirft seine dunklen Schatten von sich, Motörhead zertrümmern die fiese Fratze des Bösen, The Doors brechen noch einmal durch auf die andere Seite und legen den Grundstein für ein neues Zeitalter.
Der Himmel bricht auf und sendet einen Hilferuf Richtung Hölle und beschwört den Teufel endlich die Scharlatane aus den Chefsesseln der Industrie zu treten und sichert dabei zu den als böse verschrienen Geist des Rock´n´Roll wieder seinen Job zurückzugeben.
Was so täglich an Scheiße über die Medien verteilt wird, grenzt schon an eine Massenkontaminierung sondersgleichen. Ohne jetzt gleich auf die Tränendrüse zu drücken, hat sich dennoch in den letzten 11 Jahren eine Menge getan, wenn es um Musik geht. Endlos ist die Liste derer, die sich da schimpfen Punk zu spielen, Rock noch richtig leben und sowieso einfach nur knüppelharte Typen sind. Es wird mehr ausverkauft denn je und jedes noch so kleine Stück DIY zerkleinert und durch den Fleischwolf gedreht. Nichts soll verschont bleiben, alles muß, nichts darf ausser Acht gelassen werden, und selbst wenn man nichts kann, dann tut man wenigstens so, als wenn man es könnte, den Rest erledigt schon irgend ne PR-Nudel, die sich im Zuge der New Economy durch die Betten der Plattenriesen gevögelt hat und nun mehr als wichtig auf jedem angesagten Event anzutreffen ist. Um Inhalte geht es nicht, nur noch um den Inhalt des Nummernkontos einiger Größen.
Doch ich will jetzt auch nicht so tun, als wenn es keine ehrlichen Bands, Labels oder Vertriebe mehr gäbe, die ihren Job noch mit Ei machen und mehr dahinter steckt als reine Profitsucht. Natürlich ist auch diese Liste lang und vielmehr gut zu wissen, das es sie gibt. Aber auch hier muß man schauen wo man bleibt und von nichts kommt bekanntermaßen auch nichts.
Ich bin kein Freund von Festivals und dennoch zog es mich desöfteren auf eins. 2004 besuchte ich das Spektakel BERLINOVA, ausgerichtet von der DEAG (ne große Eventbude aus Berlin). Dort wurde ich dann begrüßt von einer degenerierten neuen MTV Generation, die sich durch ihre, ich nenn es mal weltmännisch Art, auszeichnete. Ich ließ es mir nicht nehmen und schaute mir den Pöbelrapper KOOL SAVAS an, weil, wie soll ich über jemand herziehen, den ich nie gesehen habe. Am Rande: er war schlecht und lächerlich. Jedenfalls bestaunte ich so ein Grüppchen lustiger Rockerkids, mit Versagerfrisuren (jeder kennt sie, jeder liebt sie - die Kids mit den Scheitelfrisuren, die sooooo Emoooo sind) , welche, Gott behüte mich, alle Texte dieses "Gangstas" kannten und sich scheinbar amüsierten, im Sinne von, sie fanden es cool ihn zu sehn. So far... am selben Tag sollte ich zum wiederholten Male die Götter in Rock erleben. MOTÖRHEAD. Lemmy kam auf die Bühne und es donnerte los. Laut. Durch Zufall erlebte ich, wie eben diese Kids, welche ich vormittags bei KOOL SAVAS gesehen hab, meckernd und nörgelnd das Feld räumten und meinten, was das denn für ein Scheiß sei. ... ??? ...
Eigentlich kann ich dazu bis heute nichts sagen. Einfach nur passend zur Stimmung meinerseits regnete es dann beständig und meine Trauer war groß. Nicht wegen der Pseudorocker, nein weil sie kein Bewußtsein für Musikgeschichte besitzen und sich als was ausgeben, was sie nie sein werden. Und das ist es, was so niederträchtig ist. Es verdirbt einem immer öfter die Laune auf Konzerte zu gehen, weil die Zahl derer, die ungebildet nur konsumieren immer größer wird.
Eine Lösung habe ich auch parat: Zwangsweise werden ab sofort Kurse eingeführt, wo Anwärter auf Rock´n´Roll geprüft werden. Dort gibt es Geschichte in Rock (ja wir kennen das von School Of Rock). Verweigerer kommen nach Workuta ins Arbeitslager und werden dort mit der HATEBREED Rise Of Brutality von früh bis spät beschallt, bis sie es begriffen haben.
Cheers and Rock On!