Downtown Mitte Rockers...
Berlin. Ist eine große Stadt und ein Schmelztigel der verschiedensten Kulturen, Subkulturen, Subsubkulturen und natürlich der Subsubsubkulturen. Wohin man schaut bunte Haare, lange Haare, kurze Haare, schiefe Haare, lässige Klamotten, Pelle Pelle, alle sind Irie Daily oder tanzen aufm Volcom und kommen in Vans. Überall kannst Du es kaufen, an jeder Ecke ein Szenediscounter voll mit Accesoirs für die kommende Clubsaison. Emily Strange und Miss Kitty machen die Runde, Nietengürtel bei H&M, Bondages bald bei Aldi und zuhause tätscheln die liberalen Eltern ihren crazy Zöglingen die Versagerfrisuren mit 500 Euroscheinen. Alle sind miteinander down und erleben eine tolle Zeit voller Attitüden. Sich künstlich eschoffierende Girls und traurig guckende Boys. Alles ist so perfekt, styled und by the book. Man kann den Würmern alles verkaufen, ihnen jeden Scheiß aufdrücken. Kritiklose Masse von Wella Frisuren. Nichts kann, alles muß! Maskenträger, Knallfrösche, Arschgesichter. Reih um, überall. Sie tanzen zu den neuesten Hits aus der Konserve. Na machts Spaß? Habt ihr noch nicht genug? Mit zwanzig ist dann aber Schluss und ihr geht euren gutbürgerlichen Weg. Che Guevara wird nur noch zitiert um Studentinnen zu beeindrucken und Mühsam gehört angeblich zur Pflichtlektüre. Das ist ihre Anarchie, ihr selbstbestimmter Weg, der nie mehr bestimmt war von medialen Orgasmen und Konsumsex. Pubertätskapitalismus der schlimmsten Sorte.
Gestern erst fühlte ich mich, wie ein Ketzer im Vatikan. Allein unter den, von Angebot und Nachfrage bestimmten, Subkreaturen, die das Berliner Nachtleben bevölkern. Wie Scheißhausfliegen jagen sie den neuesten Trends hinter her - nun ja, Gods Of Blitz sind keine Trendsetter, aber sie spielen den Sound der neuen British Invasion, alles zwischen Strokes, Hives, Danko Jones und Oasis - und geilen sich an sich selbst auf. Viele kleine schnepfige Madonnas in Ringelsöckchen und Röcken über den Hosen, Würfelhaarspangen und Ramones Nickies machen sich an die melancholisch dreinschauenden Jungens ran und zerfließen innerlich vor Aufregung, weil die ja alle total süüüüüüß sind. Ja klar.
Nett sind einige von dieser Gattung tatsächlich, aber mehr auch nicht. Persönlichkeitsloses Gehopse im charakterlosen Reich des Kommerzrock. Hippe Scheiße für hippe Scheißer drängelt sich neben die, die es Ernst meinen, mit sich und dem Leben zwischen Rock´n´Roll, Wut, Idealen und DIY´, kalte Pizza zum Frühstück, Hektoliterweise Kaffee und Zigaretten in Übermaß, verkackte Sonntage - dennoch kein Leben von der Stange. Spaß muß es immer noch machen, das tut es, denn genug Stoff liefern die Kids, denn wer die ernst nimmt, der schwebt in Gefahr gen Himmel zu fahren, hört sowieso nur Emo mit christlichen Texten, dankt auf seinen Platten erst Gott und dann seiner Familie. Strange. Ick geh rauchen. Det fezt.