Was weg ist brummt nicht mehr

hiroshima-2f.jpg So oder so ähnlich betrachtet, liegt die Welt in Schutt und Asche. Wird Deutschland Weltmeister? Sind meine Fußnägel auch wirklich schön gepflegt? Gibt es eigentlich noch Bier nach zehn an der Tanke? Fragen über Fragen, die den Alltagsphilosophen deutscher Herkunft heute so beschäftigen. Studenten wissen nicht mehr, das Feuilleton nicht "Föllitong" ausgesprochen wird und Nietzsche war ein völlisches Sprachgenie, ein eschter Rethoriker und Sprachfetischist. Uh Baby, meine Hirnhaut brennt bei solch geistigem Erbrechen. Weinen Sprachpfleger um jeden neuen Anglizismus in der deutschen Sprache, so krieg ich das Heulen, bei Blödheit. Ich meine, das etwas Naivität und Dummheit durchaus glücklich macht und dazugehört - doch was sich mir in voller Blüte die letzten Wochen so präsentiert, das geht auf keine Kuhhaut. Hunderttausende Deppen schwingen die Farben der Nation - noch nicht mal im Takt - skandieren dazu Parolen, wie Sieg; Steht auf, wenn ihr Deutsche seid oder ähnlichen Kram. Wir entwickeln ein Gefühl von Gemeinsamkeit und Stärke, wir behaupten uns gegenüber den anderen Sportlern mit beachtlichen Leistungen - bei so vielen Ariern in der deutschen Nationalelf ja auch kein Wunder. Nebenbei machen Grüppchen von deutschen Fans klar, das Asamoah und Odonkor keine Deutschen sind. Herkunft hat nach deren Meinung nicht etwas mit dem Geburtsort zu tun oder damit, wo jemand aufgewachsen ist, sondern mit den rassischen Merkmalen. Was würde schließlich Reichstrainer Sepp Herberger dazu sagen?
Es nervt mich einfach nur, das ich in keinem Winkel dieser Republik sicher bin vor dem patriotischen Mob, der Wald und Wiese in seiner Hand hat. Was ich mich frage ist, ob man sich, wenn man patriotisch fühlt, besser fühlt? Was ist das überhaupt? Auf was kann ich dabei stolz sein? Darf ich mich in einem Atemzug mit Hesse, Goethe, Schiller oder Ebert nennen? Sind wir stolz auf den VW Kübelwagen, den Opel Blitz oder die Messerschmitt, die V2, welche schließlich Grundlage für die Raumfahrt war? Sind das Errungenschaften und Dinge, die einen stolz machen? Ich persönlich fühle mich nicht deutsch, ich fühle mich Mensch! Bin deswegen abgeschreckt von frenetischem Jubel, auch wenn mich sportliche Wettkämpfe freuen, der Bessere gewinnt und es fair bleibt. Doch widern mich Fahnenmeere und Nationalhymnen an. Es gibt nun Menschen die behaupten, das wäre typisch für so verkackte Persönlichkeiten, wie mich, wo es versäumt wurde nationalstaatlich zu erziehen. Ist es nicht. Ich habe außer einer regionalen, keine große Bindung an eine Nation. Ich will als Mensch dort hingehen, wo es mir beliebt, will aber nicht Teil einer homophoben nationalen Masse werden, ob im Sudan, den USA oder hier in meinem Geburtsland Deutschland. Wer mir irgendwann Patriotismus und Nationalstolz mit einer ganz persönlichen Note erklären kann, mir offenlegt und begründet, warum man auf einen Zufall stolz ist, der bekommt von mir das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland geschenkt!