Worte an eine Nation

Hallo Deutschland!
Hier spricht dein längst verloren gegangen geglaubter Sohn. Ja, mich gibt es noch. Wie immer beginnen meine Tage sehr früh, wie es sich für einen pflichtbewußten Zögling des universitären Lebens gehört. Der Montag bläst mit einem sanften Hauch von Geschichte der deutschen Sprache in mein noch müdes Hirn. Neben Generation Milchkaffee sitze ich im Hörsaal und lasse mich berieseln mit Luther, Gutenberg und Sprachwandel. Wenn man es genau betrachtet ist ja Sprache sehr lebendig und von daher stetig einem Wandel unterzogen. Wo ich früher schon "Schlampe" für ein ganz verbotenes Wort aus dem ordinären Sprachgut hielt, kann ich mich ruhigen Gewissens auch an fäkale Ausdrücke, wie "so ´ne Pisse" oder "boah, Scheisse" wagen ohne dabei entsetzt angeschaut zu werden. Eher belächelt für meine doch sehr feine Rhetorik werde ich von den Zöglingen der Nachwendegeneration. Heute wissen schon 10 jährige gekonnte mit illustren Wortspielen, wie "isch fick disch du dreckige Bihac" umzugehen oder schütteln auch mal lässig Sätze, wie "dein Style is doch total whack Alter, der Shit is escht nich tight" aus dem Ärmel. Aufregung? Nein! Ist es mein Problem, das eine gute Aussprache der Coolness zum Opfer fällt? Schlimmer als deutscher Ghetto Slang ist nur noch Latein und mein Französisch Unterricht vor gut 8 Jahren. Was soll´s. Im Anschluss gibt es das Seminar Literatur des Mittelalters. Verständnisfördernd dafür, das man feststellt, das die Menschen vor 800 Jahren mindestens genauso versaut waren, wie man es heute in jedweden Pornoecken der deutschen Videotheken findet, wo sich der biedere Papa nach Feierabend mit bekackten Filmen eindeckt. Ein Beispiel dafür findet man in Neidhart von Reuental´s Liedern: Nun spendet uns die Linde keinen Schatten mehr gegen die Sonne. Früher als sie belaubt war, hätte man unter ihr finden können vielfältige Freuden. Alles klar? Das der gute Neidhard nicht von Picknick redet oder mit seiner Angebeteten Briefmarken tauschen wollte, dürfte wohl sehr eindeutig sein. Wie auch immer. Nach dem Montag kommt der Dienstag. Dort freut sich mein Herz auf das GAT - Gesprächsanalytische Transkript. Tetris ist in dieser Zeit ein treuer Begleiter meiner Seminarbesuche geworden. Was die Mobiltelefontechnologie alles ermöglicht. Es ist schon interessant und ich lerne eine Menge über das sinnvolle Anordnen bunter geometrischer Formen. Innerhalb von 14 Tagen habe ich meine Skills von Level 8 auf 12 gesteigert. Sauber oder?
Am Nachmittag erwartet mich dann ein Pädagogik Seminar, was wirklich spitze ist. Ich liebe angeregte Diskussionen über Schule, Didaktik und Bildungspolitik. Sehr schön! Der Dienstag endet meist in einer Nachtschicht bei meiner heißgeliebten Deutschen Post AG und findet seinen Abschluss dann Mittwoch früh um 9 Uhr morgens. Wenn es mir dann mein physischer Zustand erlaubt, dann finde ich mich um 13 Uhr wieder in der Uni ein. Meist ist jener Zustand aber nicht gut und ich ziehe den Verbleib in meinem Bett vor.

Comments

Na dann, viel spaß weiterhin.....

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