Eene Meene Muh und raus bist Du!

Ganz Deutschland flaggt Trauerflor, nachdem der Marsch auf das Finale nicht geglückt ist und die in vielermunds benannten Spaghettis sich den Weg freischossen. Wie kommentiert man nun das Jammern und Weinen dieser vielen tausend Deutschen, die mit Anteilnahme ihren Emotionen freien Lauf lassen, als hätten sie es selbst verbockt und sich 120 Minuten auf dem Rasen verausgabt?! Keine Ahnung! Heult doch! Gewinnen tut am Ende immer die Mannschaft, welche die Tore schießt. Nichtsdestotrotz bin ich sehr angetan gewesen von der sportlichen Leistung der deutschen Nationalmannschaft und habe mich über viele Spielsituationen sehr gefreut, die gezeigt haben, das diese Elf in der Lage ist, doch noch Fußball zu spielen.
Letztendlich hatten die Italiener mehr Glück und Podolski und Co. konnten zumindest schonmal die Sachen für Stuttgart packen. Wenn Kahn dann sagt, das auch der dritte Platz eine große Leistung ist, dann gebe ich ihm Recht, denn zu den drei besten Mannschaften der Welt zu gehören, ist beachtlich.
Die Woche brachte sonst nur viel Hitze über das europäische Festland und rundete mit einigen Gewittern und Regenschauern das sommerliche Kompositum ab. Nordkorea wichtelt mal wieder auf der Weltbühne herum und versucht Eindruck zu schinden. Alle sind besorgt und rufen nach entscheidenden Lösungen dieses
Problems. Die Bundesdeutsche Politik kennt dieses Jahr kein Sommerloch und es wird heiß debattiert, um die Finanzierung des Gesundheitssystems. Wie ich mit Taikonaut MoGreens schon feststellte: ein Land, wie das unsere, welches die Möglichkeit hat, aus der Pampa, Leute mit einem Rettungshubschrauber abzuholen, dem kann es nicht schlecht gehen. Denn die Ungleichheit ist immer noch viel zu groß, so daß es Ecken gibt, wo es weder Arzt noch Helikopter gibt. Deutschland einig Jammertal. Wann wird endlich begriffen werden, das wir in einem der mitunter reichsten Länder der Erde leben. Ein Staat, welcher der drittgrößte Exporteur in der Weltrangliste ist. Ein Industrieland, welches innerhalb von 3 Jahren, von 2001 bis 2004 seine Privatvermögen um 346 Milliarden Euro erhöht hat, dem kann es nicht schlecht gehen. Doch auch wenn die Bundesrepublik seit 1971 seinen Exportüberschuss verfünfzehntfacht hat, die privaten Geldvermögen verdreizehntfacht, so hat sich auch die Armut verdoppelt, die Arbeitslosigkeit verdreifacht und die Staatsschulden verdreizehntfacht. Es sind nur Zahlen, die sich runterlesen, wie der Wetterbericht, doch sollte auch das letzte atmende Wasserstoffteilchen erkennen, das es gilt umzudenken. Es gilt die zu beschneiden, die ihr Vermögen anhäufen, wie andere Kartoffeln einkellern. Verdiener und Gewinner bleiben sonst nur die Konzerne, Banken und Versicherungen.
Ich habe mich ansonsten diese Woche nur dem Postkonzern verdingt und fleißig sortiert. Wenn man überlegt, das der Durchsatz von 25000 Standardbriefen in einer Stunde multipliziert mit 0,55 Cent die Zahl 13750 ergibt und der Mitarbeiter, der die Maschine bedient, in dieser Stunde circa 15 Euro kostet, dann kann man sich den Relationen bewußt sein, welche Größenordnungen hier eine Rolle spielen. Eine oberflächliche Rechnung, die aber am Ende gar nicht so abwegig ist und einfach nur Proportionen darstellen soll.

Ein sonniges Wochenende im frommen Sozialstaat!