Im Land des Tempolimits und Gothenburg ist ein Altenpflegeheim

Fortsetzung Tag 1 - 29.12.2006

... "Heeeey, wo kommt ihr denn her?" - Stan und ich schauen uns an und antworten unseren vorher auswendig gelernten Satz "Wir sind aus Berlin und auf einem Roadtrip durch Schweden" - das blonde Pärchen (wie auch sonst) ist begeistert - "Woooow, aus Berlin. Wir lieben Berlin" - scheinbar tun das alle Menschen, die hier nur begrenzt Aufenthalt haben. Egal. Die Beiden sind total besoffen und fragen uns, ob wir nicht Lust hätten mit in die gegenüberliegende Kneipe zu kommen. Diese wäre doch viel besser und es gibt dort so tolle Cocktails. Erneut schauen wir uns an, lehnen dann aber dankend ab, da das Etablissement uns zu sehr an die ätzenden Lounges und Milchkaffeestuben in Friedrichshain erinnert, wo das boheme Studentenvolk seine Neuigkeiten über das alternative Leben im Kiez austauscht.
"Hey, wir haben eurem Gespräch grad zugehört" - eine Gruppe netter Schweden in unserem Alter sitzt am Tisch neben uns und ist begeistert von unserer Entscheidung, das Sapla nicht verlassen zu haben. Wir kommen ins Gespräch und jenes dehnt sich auf gut drei bis vier Stunden aus. Ich habe währendessen noch Bekanntschaft mit ein paar jungen Damen gemacht, denen ich ein paar Infos um eine Location in Malmö abringen will, wo am kommenden Dienstag eine Hardcore Show stattfinden soll. Bis auf die Adresse und den Hinweis, das es dort ganz nett wäre, ist nicht mehr aus ihnen rauszubekommen. Der Abend nimmt seinen Lauf und wir sind jetzt mit unserer Schwedengruppe namentlich bekannt. Anders, Hennie, Jonas und Johannes.

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Unser Plan ist es am kommenden Tag Richtung Norden nach Göteborg zu fahren - Schwedens zweitgrößte Stadt. Deshalb verabschieden wir uns, von unserer abendlichen Bekanntschaft mit herzlichen Umarmungen und den besten Wünschen. Nach ein paar Metern auf dem Weg zum Auto beschließen Stan und ich zu fragen, was Anders und die Anderen denn am Sylvesterabend geplant hätten und kehren nochmal um. Anders erzählt, das sie das neue Jahr auf dem Schiff seines Schwiegervaters betrinken werden. Es ist sehr familiäre Runde, doch wir tauschen die Handynummern und sollten wir aus Göteborg zurückkehren, mögen wir doch einfach anrufen und das geht schon klar, wenn Stan und ich auf die Party kommen würden, es wäre allen eine große Freude.
Wir sind baff! Soviel Herzlichkeit und Unbefangenheit haben wir beide selten erlebt, nehmen das Angebot dankbar an und verlassen den Möllan in Richtung Absteige, dem Motel Formula One. Dort angekommen schmeiss ich mir eine Aspirin und albere mit Stan noch ein wenig rum, während wir uns einen englischen Spielfilm mit schwedischen Untertiteln anschauen. Der erste Tag ist vorbei und wir schlafen seelig ein.

Tag 2 - 30.12.2006

Gegen 9 Uhr stehen wir auf. Mir geht es schon wieder besser und wir beschliessen den Tag mit einem Kackerchen und Duschen zu starten. Die Toilette des Raumschiffs Formula One sind Plastik Kabinen, deren Spülung das Geräusch eines Schredders macht. Sehr unheimlich ist auch das Gefühl, das Scheisshaus würde sich ständig bewegen und Erinnerungen an Festivaltoiletten werden wach. Keine gute Sache.
Bevor wir auf die Piste gehen, wollen wir im nahegelegenen McDonalds frühstücken. Salat, Kaffee und ein Muffin reichen erstmal und wir gehen gut gesättigt an Bord des Toyota Parfümerie M. Lange.
Skandinavien hat den unbändigen Vorteil von Tempolimits auf der Autobahn von 110 Stundenkilometer, was eine sehr entspannte Fahrt ermöglicht ohne den steten Druck Erster an irgendeinem Ziel zu sein. Der Dauerregen und die nach innen geneige Fahrbahn machen Laune auf Aquaplaning. Schneller als vorgeschrieben geht nicht und Anders und die Anderen haben uns erzählt, das auf der schwedische Autobahn - Motorvägn oder so ähnlich - Temposünder von Hubschraubern gelasert werden "Watch out for helicopters!". Was machen wir dann auch ab und zu mal? Nach Hubschraubern gucken. Wir sind allerdings beruhigt, denn es ist bedeckt, also fahr ich auch schonmal brisante 130, obwohl Geschwindigkeitsüberschreitung sehr teuer werden können. Wir haben Glück. Keine Hubschrauber. Keine Polizei am Boden. Alles Prima. Ich glaube man hat uns verarscht.
Das geografisch flache Skâne verlassen wir in Richtung Norden, wo die Landschaft langsam reizvoller, uriger und felsiger wird. Bis Göteborg sind es rund 270 Kilometer und wenn wir die Stadt erreicht haben, liegen bereits 1100 Kilometer hinter uns. Am frühen Nachmittag liegt die Stadt mit ca. 500.000 Einohnern vor uns und wir verfahren uns erstmal gehörig. Ist nicht schlimm, denn wir liegen gut in der Zeit.
Göteborg ist eine architektonisch pitoreske Stadt und stellt für uns eine Mischung aus Prag, Wien und Paris dar.
Sie zu durchfahren ist jedoch ein Leid, denn geht es im Kreis immer nur in eine Richtung. Also erstmal am Hauptbahnhof halt gemacht, Geld gewechselt und ab in, na ratet mal... ja, eine riesige Mall. Dort an der Touristeninformation nach Herbergen gefragt und prompt eine gefunden. Mit knapp 40 Euro sind wir dabei, was ok ist und wir checken ein, lümmeln uns noch auf den Betten rum und beschließen das Rock´n´Roll Nightlife dieser Hafenmetropole zu erschließen und machen eine interessante Entdeckung...tbc.